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Magdeburger Strasse

Chronik des Eishockeysports in Dresden

1909 bis 1945

Schon frühzeitig, noch in der Übergangszeit vom Bandy zum Eishockey, nahm im März 1909 mit dem „Akademischen Sportclub“ eine Dresdner Mannschaft an einem internationalen Turnier in Berlin teil. Siege über den Berliner SC und Brüssel bescherten der sympathischen Mannschaft sogar den Turniersieg.
Bei der 1. Deutschen Meisterschaft 1912 zählte der „ASC“ sogar zu den Favoriten der eingeladenen Klubs, verzichtete jedoch auf eine Teilnahme. Erst viele Jahre später, 1934, startete mit „Blau-Weiß“ eine Dresdner Mannschaft bei einer Deutschen Meisterschaftsendrunde. In Schierke gab es nach der ersten Runden-Niederlage gegen Rastenburg in der nachfolgenden Trostrunde zwei Siege (Erfurt, Berliner HC) und eine Niederlage (Berliner EC).
Ein zweites Mal qualifizierte sich „Blau-Weiß“ 1938 durch ein 2:0 im Ausscheidungsspiel gegen Schlesienmeister TSV Weißwasser für die Endrunde. Gegen den Berliner SC, Füssen und Rastenburg konnte das Team in Nürnberg jedoch nichts gewinnen. In den darauffolgenden Jahren spielte „Blau-Weiß“ stets eine gute Rolle bei den Landesmeisterschaften in Sachsen. Bei den letzten Vergleichen vor dem II. Weltkrieg erreichte die Mannschaft bei den ausgetragenen Meisterschaften (1941, 1942) hinter Frankenhausen und vor Leipzig jeweils der zweiten Platz.

1946 bis 1970

Nach dem Krieg gehörte Dresden in Ostdeutschland zu den Eishockeypionieren der ersten Stunde. Bereits 1946/1947 wurde auf den Tennisplätzen auf dem Weißen Hirsch und im Waldpark die Puckjagd wieder entfacht. Erste Heimstätte war die „SG Striesen“. Als „BSG KWU“ wurde 1951 in Geising die zum dritten Mal nach dem Krieg ausgetragene Sachsenmeisterschaft gewonnen. In den folgenden Jahren sorgte “Einheit-Süd”, ab 1954/55 “Wissenschaft TH”, für tolle Eishockeystimmung in der Elbestadt. Gespielt wurde auf dem Natureis in den Stadien an der Lennéstraße. Mit dem Gewinn der Sachsenmeisterschaft qualifizierte sich Einheit-Süd für die DS (Deutscher Sportausschuss)-Liga und gehörte für zwei Spielzeiten zu den besten sechs Mannschaften in der jungen DDR.
Ab der Saison 1952/53 wurde die höchste Spielklasse in Oberliga umbenannt. Dresden erhielt das schönste Natureisstadion der Republik mit Steintribüne und –traversen. Zum Meisterschaftsspiel gegen Weißwasser kamen 8.000 Zuschauer. Doch „Einheit-Süd“ konnte die Klasse nicht halten. Infolge einer Ligen-Neustrukturierung 1955/56 rutschte „Wissenschaft TH“ sogar für eine Spielzeit in die 2. Liga ab. Zu Beginn des Spieljahres 1960/61 wurde die Mannschaft zum “SC Einheit” delegiert. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1960 erfüllte sich für die eissportverrückten Dresdner mit der Einweihung des Freiluft-Kunsteisstadions an der Magdeburger Straße ein Traum. Bereits elf Tage später stand in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in der Schweiz das erste Länderspiel an. Gegner war Norwegen. Ohnehin waren zu jener Zeit die Länderspiele gegen Kanada (1963, 1966, 1969) und den damaligen Serienweltmeister und Olympiasieger UdSSR (1962, 1965) die absoluten Höhepunkte. Mit bis zu 10.000 Zuschauern war das Stadion stets prächtig gefüllt. Unvergessen bleibt bis heute der Schlachtruf „Deutschland vor – noch ein Tor“ – zu DDR-Zeiten – bei der 2:3-Aufholjagd gegen Kanada 1966. Die Russen kamen 1965 als Olympiasieger und hatten alle Mann „an Deck“: Trainer Tarassow, Ragulin, Almetow, Alexandrow, Firsow, Starschinow und Jakuschew. Häufigster Länderspielgegner in Dresden war und ist bis heute Finnland, die vier Mal in Dresden gastierten.
Durch eine Aufstockung der Oberliga von sechs auf acht Mannschaften kehrte der “SCE” 1964 in die höchste Spielklasse zurück und etablierte sich hier für die nächsten sechs Spieljahre. Pro Saison standen bis zu 40 Pflichtspiele an. Gegen Erfurt und Karl-Marx-Stadt (dem heutigen Chemnitz) ging es in der Endabrechnung stets um die Plätze sechs bis acht. Das damals beste Resultat datiert auf den Dezember 1968. Damals gelang dem Team von Trainer Egon Luding im Heimspiel ein 0:0 gegen den amtierenden Meister SC Dynamo Berlin (heute EHC Eisbären). Der eigene Nachwuchs blühte unter Horst Laux auf. Eishockey im offenen Stadion war damals noch richtiger Wintersport – mit all den möglichen Witterungseinflüssen wie Kälte, Wärme, Schnee, Regen und Wind.

1971 bis 1999

Mit einem skandalösen Beschluss und ohne Rücksicht auf die empörten Aktiven und Zuschauer löste die DDR-Sportführung im Frühherbst 1970 wegen der Perspektivlosigkeit eine olympische Medaille in dieser Sportart zu gewinnen die Eishockeysektionen in Crimmitschau, Rostock, Erfurt, TSC Berlin, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Dresden auf.
An dieser Stelle ist anzumerken, dass die DDR in jenen Jahren den Sport als wichtiges Instrument zur internationalen politischen Anerkennung nutzte. So wurde die neue Eissporthalle an der Pieschener Allee ohne die Eishockeyspieler eingeweiht und eine leistungssportliche Entwicklung über zwei Jahrzehnte unmöglich.
Dank der alten “Haudegen” aus den 60er Jahren blieb der Eishockeysport Dresden dennoch erhalten. Nach zwölfjähriger Unterbrechung bestritt im Dezember 1982 erstmals wieder eine Dresdner Mannschaft ein offizielles Spiel. Die “BSG Kraftverkehr” wurde für sieben Jahre zur neuen Heimstätte. Meisterschaftsspiele gab es im Rahmen der alljährlich stattfindenden DDR-Bestenermittlung. Diese wurde in Turnierform ausgetragen. Austragungsort war Crimmitschau. “KvD” nahm zwischen 1984 und 1989 sechsmal in der B-Gruppe (Platz fünf bis acht) teil.
Nach der politischen Wende wurde die Eisfläche für einen neuen Aufschwung bereitet. Im April 1990 waren die in die Jahre gekommenen Spieler wieder im Sportclub willkommen. Im neugegründeten ESC Dresden wurden die Eissportarten des SC Einheit vereint. Die Auftaktbegegnung unter neuem Namen war eine Besondere: In einem deutsch-deutschen Vergleich ging es gegen den Schwarzwald-Amateurmeister EHC Rottweil. Der Pflichtspielbetrieb fand fortan in der Sachsenliga statt. Aufgrund der veränderten Bedingungen war es wieder möglich, Kinder für das Eishockey zu begeistern und eigenen Nachwuchs auszubilden.
In Vorbereitung der Saison 1993/94 formierte sich die “Initiativgruppe Eishockey 2000” (Karl-Heinz Domschke, Steffen Hofmann, Dr. Rainer Mund, Sven Rohrbach). Sie organisierte erstmalig Sponsoren im großen Umfang und stellte eine neue, leistungsorientierte Mannschaft zusammen. Wichtig für die Identität dieser Mannschaft: Sie setzte sich zur Hälfte aus Dresdner Spielern zusammen. Der deutsche „Jahrhundertspieler“ Erich Kühnhackl warf beim Neustart den Puck zum ersten Bully. In den Folgejahren gewann der “ESCD” viermal die Sachsenmeisterschaft. Der heißersehnte Sprung in den DEB-Bereich gelang nicht. Die bayerischen Teams erwiesen sich als zu stark.
In dem Bestreben, überregionales Eishockey zu organisieren, gründeten die Dresdner 1994/95 gemeinsam mit neun tschechischen Mannschaften die 1. Sächsisch-Böhmische-Liga und spielten ein Jahr später in der Regionalliga Nord/Ost. 1997 verließ das 1c-Hobby-Team den ESCD und gründete mit dem „EHV Dresden Devils” einen eigenen Verein. Besondere Motivation verlieh den Organisatoren der sensationell gute Zuschauerbesuch. So strömten zu den Sachsenligaspielen Ende der 90er Jahre im Durchschnitt 1.300 Zuschauer, zu den Aufstiegsspielen sogar 2.300 in die Eissporthalle. Im März 1999 war das Stadion zum ersten Mal seit den 50er Jahren bei einem Meisterschaftsspiel wieder ausverkauft.
Eine hervorragende Rolle spielte das Fan-Projekt: Über die Zwischenstation „Löwen“ wurden die „Eislöwen“ geboren und zeitgemäß eine Homepage eingerichtet. Für deutschlandweit großes Aufsehen sorgte während der Olympischen Winterspiele von Nagano im Februar 1998 ein Spiel gegen ein DEL-Allstar-Team. Erstmalig liefen Spieler auf das Dresdner Eis, die schon in der NHL gespielt hatten. Sachsens Ministerpräsident Prof. Kurt Biedenkopf warf den Puck beim Ehrenbully. In diesen Jahren war der gebürtige Slowake Jozef Kovacik für sechs Jahre der erste hauptamtliche Trainer. Das betraf sowohl die erste Mannschaft als auch den gesamten Nachwuchsbereich.

2000 – 2005

Im Juni 1999 vernahmen der Verein, die Fans und Sponsoren mit großer Freude die Einstufung der Eislöwen in die Oberliga-Nord (dritthöchste Spielklasse) – eine großartige Anerkennung für die intensiven Anstrengungen der vorangegangenen Jahre und passend zum damaligen 90jährigen Jubiläum. Die von Großstädten wie Hamburg, Hannover, Duisburg, Mannheim, Wolfsburg, Erfurt, Gelsenkirchen und Berlin geprägte Liga wurde von den Zuschauern begeistert angenommen. Damit begann ein neues Zeitalter. Der Profisport hielt Einzug.
Die erste Mannschaft wurde aus dem ESCD ausgegliedert und nahm als selbständige GmbH am Spielbetrieb teil. Fortan gab es Eishockey von Anfang September bis Mitte April. In der Regel wurden zwei Spiele pro Wochenende ausgetragen. Der Eishockeysport hatte sich in Dresden wieder einen hohen Stellenwert erkämpft. Bereits im ersten Jahr erreichte das „Löwen-Team“ die begehrten Playoffs. Im zweiten Jahr brachten wirtschaftliche Turbulenzen die Eislöwen ins Schlingern. Das Team selbst bewies großartigen Charakter und erreichte ein ausgezeichnetes sportliches Ergebnis: Platz 3 nach der Hauptrunde und das Vordringen bis in die zweite Play-off-Runde. Hier kam es zum Sachsenderby gegen den ETC Crimmitschau mit einem unvergessenen 8:5-Heimsieg. Die stets mit originellen Sprechchören für tolle Stimmung sorgenden Fans dankten es der Mannschaft. Aus vollen Kehlen tönte es durch die Halle: „Wir sind stolz auf unser Team….“. Auch der Weihnachtssong „Kling, Glöckchen, klingelingeling – ESC wird Meister…“ war Ausdruck toller Dresdner Eishockeystimmung.
Vor Beginn des Spieljahres 2001/02 wurde die attraktive Oberliga-Nord mangels Beteiligung aufgelöst und die Eislöwen in die eingleisige und von bayerischen Vereinen geprägte Oberliga aufgenommen. Dank der großartigen Unterstützung durch die Stadt und den Oberbürgermeister erhielten die Eislöwen erneut die Spiel-Lizenz. Sportlich ging es erstmalig bis ins Playoff-Halbfinale. Erst dort war gegen den späteren Oberligameister und deutschen Traditionsverein EV Landshut die Endstation erreicht. Die Fachzeitschrift Eishockey NEWS überschrieb die Dresdner Jahresleistung mit: „ESC Dresden – torhungrig, fair, erfolgreich“. In der Sportlerumfrage wurden die Eislöwen von der Dresdner Bevölkerung zur Mannschaft des Jahres gewählt.
Im August 2002 drohte dem Dresdner Eishockey der „Sudden death“. Das Jahrhundert-Hochwasser hatte die Eissporthalle umspült. Das Wasser stand fast in Spielfeldhöhe und die Baustatik der Halle schien ernsthaft in Gefahr. Nach Tagen der Ungewissheit folgte zum Glück die Entwarnung. Es gab eine beispiellose Solidaritätsbekundung mit Spenden von Fans, Sponsoren und anderen Vereinen wie Frankfurt/M., Hannover, Düsseldorf, Kassel und Crimmitschau. Sechs Jahre spielte der ESCD in der Oberliga, erreichte immer die Playoffs. Die zweite Bundesliga rückte in Sichtweite und wurde zum Ziel erklärt. Blieb die große Aufstiegschance 2003 in den Finalspielen gegen das Überraschungsteam vom 1. EV Weiden noch ungenutzt, gelang im April 2005 in einer dramatischen 3:2-Halbfinalserie gegen Hannover der vielumjubelte Aufstieg. Beim entscheidenden 5:1-Heimsieg drohte die alte Eissporthalle aus allen Nähten zu platzen. In den beiden noch folgenden Finalspielen gegen München gewannen die Eislöwen zudem erstmalig die Oberliga-Meisterschaft.

2006 – 2008

Gleich das erste Jahr in der zweiten Bundesliga war von großem Erfolg gekrönt. Die Eislöwen qualifizierten sich als Neuling für die Playoffs und besiegten in einer denkwürdigen Viertelfinale-Serie („Best of Seven“) das hochfavorisierte Team vom EV Landshut. Das entscheidende Spiel 7 wurde in der Dreihelmestadt mit 4:1 gewonnen. Erst im Halbfinale war gegen Bremerhaven Endstation. Die nachfolgende Saison endete tragisch. Nach tollem Saisonstart rutschte das Team zum Ende der Hauptrunde noch knapp unter den Strich in die Playdowns. Im Sachsen-Derby mit Weißwasser ging es gegen den Abstieg. 76:32 lautete die Hauptrunden-Punktebilanz zugunsten der Eislöwen. Doch dafür gab es nichts zu kaufen, alles begann bei Null und die „Füchse“ gewannen die Serie mit 4:2, was den Abstieg bedeutete.
Erwähnenswert ist an dieser Stelle ein Zuschauer-Rekord: Noch nie spielte eine Dresdner Mannschaft in einem Auswärtsspiel vor 6.500 Zuschauern – so geschehen beim 5:3-Sieg am 29.12.2006 in Crimmitschau. Sportlich waren diese Jahre geprägt von Manager Jan Tabor und Trainer Jiri Kochta, ein „Großer“ aus den Reihen der Ex-Internationalen der früheren CSSR. Im September 2007 folgte der Umzug in die neue, moderne Eis- und Ballspiel-Arena (bald FREIBERGER-Arena, heute EnergieVerbund Arena). Ausgerechnet im ersten Jahr gab es kein Bundesliga-Eishockey. Es galt lediglich den „Betriebsunfall Oberliga“ zu korrigieren. Während von dem alten Freiluft-Kunsteisstadion aus den 60er Jahren noch große Reste zu sehen sind, wurde die unbeheizte, jedoch von den Fans heißgeliebte alte „Eissporthalle Pieschener Allee“ ein halbes Jahr später gesprengt und vollständig entsorgt.
Die Dresdner Eislöwen erfüllten die vor ihnen stehende Aufgabe bravourös. In den entscheidenden Playoff-Serien wurden die Traditionsvereine aus dem Allgäu mit Kaufbeuren (Viertelfinale) und Füssen (Halbfinale) jeweils klar mit 4:1 besiegt. Das Finale gegen Freiburg entfiel (beide Aufsteiger) und Dresden wurde aufgrund der besseren Hauptrunden-Platzierung (erster Platz) zum zweiten Mal Oberliga-Meister.
Im Nachwuchs fruchteten die Anstrengungen und Bemühungen der letzten Jahre in dem Aufstieg der Schülermannschaft in die Bundesliga. Im Übrigen war es eine Schülermannschaft, die 1968 als bisher einzige Dresdner Mannschaft bei einer Deutschen Meisterschaft mit dem dritten Platz eine Medaille gewann.
Zwei weitere Ereignisse sind erwähnenswert. Zehn Wochen nach Saisonbeginn startete mit dem ALTLÖWEN-Traditionsteam erstmalig eine Dresdner Mannschaft zu einer Reise und Spielen in das Mutterland des Eishockeys nach Kanada. Am Saisonende gab es nach 30-jähriger Unterbrechung wieder ein Länderspiel in Dresden. In Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Kanada war Weißrußland der Gegner. In den Folgejahren gab es zwei weitere offizielle Länderspiele: 2010 gegen Norwegen und 2012 gegen Russland.

2009 – 2013

Seit dem Spieljahr 2008/09 gehören die Eislöwen mit dem markanten „Eis-Igel“-Logo ohne Unterbrechung der zweiten Bundesliga / DEL-2 (ab 2013/14) an. Dabei waren die beiden Jahre nach dem Wiederaufstieg schwierige Jahre. Zunächst reichte es nur zu Platz 11 von 13 Mannschaften. Der vorzeitige Klassenerhalt war jedoch durch die Insolvenz der Tölzer Löwen gesichert. Die daraufhin von der Liga abgesagte Abstiegsrunde hatte natürlich Einnahmeverluste zur Folge und schlug finanziell negativ zu Buche.
In Auswertung der Saison folgte im Frühjahr 2009 ein markanter Umbruch in der sportlichen Leitung. Jan Tabor sagte nach zehn Jahren als Spieler, Manager und Trainer aus familiären Gründen „Adé“. Die Berliner hielten Einzug: Thomas Popiesch als Trainer und Steffen Ziesche als Manager. Beide starteten mit einer großen Hypothek. Wegen eines Verstoßes gegen die Lizenz-Auflagen wurde das Team zu Beginn der neuen Saison mit einem Acht-Punkte-Abzug bestraft. Dennoch erkämpften die Eislöwen einen achtbaren neunten Platz und qualifizierten sich damit für die erstmalig ausgetragenen Pre-Playoffs. Hier war der Gegner wiederum der sächsische Rivale aus Weißwasser. Leider zogen die Eislöwen in der „Best of three“-Serie mit 1:2 erneut den Kürzeren. Besonders wertvolle Spieler waren in diesen Jahren Petr Sikora als Scorer-König (461 Punkte in Pflichtspielen) und Pavel Vit als der Spieler mit den meisten Spielen bis heute (354 Pflichtspiele).
Die Amateurmannschaft des Stammvereins ESCD gewann nach 2006 (damals noch als „EHC Neue Eislöwen“) erneut die Sachsenmeisterschaft.
Natürlich war das Jahr 2009 von verschiedenen Feierlichkeiten anlässlich 100-Jahre-Dresdner Eishockey geprägt. Es begann gleich zu Jahresbeginn mit einer riesigen Fan-Choreographie im Stadion und endete mit der vom ALTLÖWEN-Traditionsteam organisierten großen ESCD-Vereinsfeier im November. Hier gab es ein freudiges Wiedersehen ehemaliger Spieler, Funktionäre und Fans zurückreichend bis in die 50er und 60er Jahre. Auch die Zeitschrift Eishockey NEWS würdigte dieses Jubiläum mit einem großen Artikel.
Das Spieljahr 2010/11 wurde eines der Erfolgreichsten: Die Hauptrunde schlossen die Blau-Weißen auf einem sehr guten sechsten Platz ab. Im Playoff-Viertelfinale folgte eine überraschende und grandiose 4:1-Serie gegen den Meisterschaftsmitfavoriten Bremerhaven. Für das Halbfinale (0:4-Serie) gegen die Schwenninger Wild Wings reichten dann die Kräfte nicht mehr. In besonderer Erinnerung bleibt das überragende Sturmduo mit Sami Kaartinen (Finnland) und Patrick Jarrett (Kanada). Letzterer wurde sogar zum „Stürmer des Jahres“ in der zweiten Bundesliga gewählt. Auch im Nachwuchs gab es wieder einen großen Erfolg zu vermelden: Nach den Schülern schaffte auch die Jugendmannschaft den Aufstieg in die Bundesliga. Im April war Dresden neben Crimmitschau mit der U18-WM erstmalig Austragungsort einer IIHF-Weltmeisterschaft.
Eigentlich unerklärlich folgte ein (fast) Katastrophenspieljahr. Das Eislöwen-Team schloss die Hauptrunde als 13. und damit Tabellenletzter ab. Dabei schien der Spielerkader besser besetzt als in der Vorsaison. Speziell ab Mitte Dezember bis Anfang März hagelte es Niederlagen. Erst in den Spielen der Abstiegsrunde fand sich das Team wieder und ließ die übrigen vier Teilnehmer (immerhin: Bietigheim, Riessersee, Crimmitschau, Bremerhaven ) hinter sich. Hinsichtlich der Spielstätte bleibt für Februar 2012 nach heftigen Schneefällen ein gewaltiger Hallendachschaden festzuhalten. In einer entscheidenden Saisonphase beeinflusste er die Leistung der Mannschaft sehr negativ. Das betraf das Training und die Austragung der Spiele. So musste ein Spiel in Chemnitz und eines in der Trainingshalle ausgetragen werden.
Die Misere setzte sich im darauffolgenden Spieljahr 2012/13 fort. Wieder wurden die Playoffs mit einem zehnten Platz verpasst. Zunächst wirkte nach wie vor der Hallendachschaden ein. Nach sechs Auswärtsspielen gab es erst Ende Oktober das erste Heimspiel. Im November folgten dann weitere sieben Heimspiele – auch aus finanzieller Sicht eine unmögliche Situation. Da mit der Insolvenz des langjährigen Kontrahenten Hannover Indians zum Abschluss der Hauptrunde der einzige Absteiger feststand, entfiel zum zweiten Mal die Abstiegsrunde und die Saison war für die Eislöwen bereits Mitte März zu Ende. Die Amateurmannschaft des ESCD gewann die Meisterschaft in der Regionalliga-Ost.

2014 – heute

Mit der Saison 2013/14 ging die eingleisige zweite Bundesliga in ihre 16. Saison. Und doch gab es eine Premiere der ganz besonderen Art. Denn erstmalig startete die Liga als DEL2 und hatte damit ganz offiziell einen neuen Namen. Nur zwölf lizensierte Mannschaften machten eine Modus-Änderung erforderlich. Gespielt wurde eine Hauptrunde mit anschließend geteilter Zwischenrunde. Die Eislöwen zeigten endlich wieder ordentlich Biss. Sie starteten mit einem 4:1-Prestige-Erfolg in der neuen Eissporthalle in Weißwasser und setzten sich im ersten Saisonabschnitt in der Tabellespitze fest. Im November und Dezember gab es die Rekord-Serie von elf Siegen hintereinander. Am Ende sprang mit 84 Punkten ein sicherer siebter Platz heraus, der nach zwei Jahren Abstinenz endlich wieder den Einzug in die Playoffs bedeutete. Dort wartete im Viertelfinale mit den Starbulls Rosenheim der Hauptrundenzweite. Große Zuversicht für eine erfolgreiche Serie vermittelte der 3:2-Auswärtssieg in Spiel eins. Doch gerade die Heimstärke der Dresdner Mannschaft verkehrte sich ins Gegenteil und der Favorit gewann die nachfolgenden vier Spiele allesamt.
Nach dieser Saison schien den Eislöwen in Langzeitwirkung der letzten Jahre finanziell die Luft auszugehen. Nachwirkungen des Hallendachschadens, der Ausstieg eines Hauptsponsors und weitere Dinge machten eine abermalige Unterstützung der Stadt erforderlich. Mit letzter Kraft und vereinten Anstrengungen konnte das Unheil einer freiwilligen Rückstufung in die Oberliga abgewendet werden.
Eine hervorragende Rolle spielten hierbei wieder die Fans. Schon mehrfach haben sie ihre Eislöwen mit originellen Ideen und Aktionen tatkräftig und wirksam unterstützt. Hierfür stehen die Einführung der Becherwurf-Aktion (November 2011), der Sponsorenbeitrag mit den zahlreichen Einzelnamen auf dem Trikot (2013/14), die grandiosen Choreographien zu den unterschiedlichsten Anlässen oder die zur Tradition gewordenen „Sonderzüge“ zum Jahresende (2015 zum 10. Mal),
Seit Jahren sind die Eislöwen ein sportlicher Werbeträger für die Stadt Dresden und locken nach dem Fußball die zweitmeisten Zuschauer an (2015/16: 122.000 Zuschauer). Auch der Nachwuchs hat sich prächtig entwickelt und zieht eine große Anzahl von Kindern und Jugendlichen in seinen Bann und ermöglicht ihnen eine sinnvolle und gesunde Freizeitbeschäftigung.
Für das Spieljahr 2014/15 wurde die Liga durch den Aufstieg von Kassel und Frankfurt/M. wieder auf vierzehn Mannschaften aufgestockt. Das Eislöwen-Team verzeichnete mehr als 20 Neuzugänge. Sehr gut wirkte sich dabei der Kooperationsvertrag mit den Eisbären Berlin aus. Nach einem 7:2-Achtungserfolg über die polnische Nationalmannschaft im Rahmen des zum achten Mal ausgetragenen einheimischen Sommerturniers verlief der Meisterschaftsstart mit vier Niederlagen äußerst schlecht. Doch bald fügten sich die Reihen zu einer schlagkräftigen Einheit und Auswärtssiege in Frankfurt/M., Weißwasser, Crimmitschau (7:6 mit 4 Toren in den letzten drei Minuten) sowie Landshut ließen aufhorchen und hievten die Eislöwen bis Weihnachten auf den dritten Tabellenplatz. Leider ging der gesamte Februar mit sechs aufeinanderfolgenden Niederlagen völlig daneben und das Team konnte gerade noch Platz zehn sichern. Dieser berechtigte für die Teilnahme an den Pre-Playoffs („Best of three“) gegen den siebtplatzierten SC Riessersee. Mit zwei hart erkämpften Siegen in Garmisch-Partenkirchen qualifizierten sich die Eislöwen für das Viertelfinale. Dort wartete der Ligakrösus Bietigheim (erster Platz Hauptrunde). Zwar gab es in dieser „Best of seven“-Serie eine glatte 0:4-Niederlage, doch drei der vier Spiele wurden erst in der Verlängerung entschieden. Mit dem Gewinn der Meisterschaft durch die Steelers erfuhren diese Spiele im Nachhinein noch eine Aufwertung.
Durch personell attraktive Verstärkungen vor der Saison 2015/16 wurden die Dresdner von vielen Fachleuten erstmalig als Mitfavorit auf die Meisterschaft genannt. Das schien sich bis Mitte Oktober zu bestätigen. Die Eislöwen schoben sich nach sieben aufeinanderfolgenden Siegen auf Platz zwei. Doch dann folgte ein schwer zu erklärender Leistungsknick und das Team rutschte bis zum Jahresende auf Platz sieben ab. Die direkte Play-off-Qualifikation (Platz sechs) schien ernsthaft in Gefahr und veranlasste die Eislöwen-Führung zur Beurlaubung des Trainers. Damit endete nach 6,5 Jahren die Ära von Thomas Popiesch als dienstältester Dresdner Trainer. Die nachfolgenden Wochen brachten trotz verstärkter Anstrengungen und 14 Siegen aus 19 Spielen bis zum Abschluss der Hauptrunde tabellenmäßig keine Verbesserung. Wieder waren die Pre-Playoffs angesagt. Dieses Mal ging es gegen den anderen sächsischen Rivalen, die Eispiraten aus Crimmitschau. Und es wurde die erwartet „enge Kiste“. 2:1 siegten die Eislöwen in der Serie, die zwei Heimsiege wurden jeweils erst in der Verlängerung erkämpft.
In der Viertelfinale-Serie wartete der klar favorisierte Hauptrundenzweite Bremerhaven. Scheinbar im Fünf-Jahres-Rhythmus gelang den Eislöwen nach 2006 und 2011 erneut der vielumjubelte Einzug ins Halbfinale. Das Husarenstück gelang dabei im entscheidenden Spiel sieben. Mit einem 6:1-Kantersieg schossen sie die Norddeutschen aus deren eigener Halle.
Das Team war mächtig in Fahrt gekommen. Der Halbfinalgegner war kein anderer als der Vorjahresmeister und Vorjahres-Viertelfinalgegner Bietigheim Steelers. Nach einem verschenkten Sieg in Spiel zwei gelang in Spiel vier endlich der erste Play-off-Halbfinalsieg in der Historie. Doch die lange Saison hatte am Kader gezehrt und einige wichtige Spieler fehlten mittlerweile verletzungsbedingt. So waren die Steelers auf dem Weg ins Liga-Finale nicht aufzuhalten und die Serie ging 1:4 verloren. Mit 67 Meisterschaftsspielen wurde ein neuer Rekord aufgestellt.
Der absolute Höhepunkt des Spieljahres und der Dresdner Eishockey-Geschichte insgesamt lag jedoch schon Wochen zurück. Am 9. Januar gab es das große Spektakel eines Open-Air-Meisterschaftsspieles im Dresdner Fußballstadion. Es war das erste seiner Art in Liga 2. Die Organisation, der Ablauf und die Stimmung waren fantastisch. Vor ausverkauftem Haus mit knapp 32.000 Zuschauern hielt das WINTER DERBY alles parat, was sich ein Eishockeyherz wünschen kann. Gegner waren die Lausitzer Füchse. Es wurde ein dramatisches Spiel mit einem glücklichen Ende für die Eislöwen – 4:3 n.V. Gewonnen hatten jedoch alle, vor allem der Eishockeysport.
Einen großartigen Erfolg konnte auch der Stammverein ESCD mit seiner Nachwuchsarbeit vermelden. Bei dem von DEL und DEB im Sommer 2015 ins Leben gerufenen 5-Sterne-Konzept zur Evaluierung der Nachwuchsarbeit erreichte der ESCD als einziger DEL2-Klub alle fünf Sterne.

Ins Spieljahr 2016/17 starteten die Eislöwen mit ungewohnt deutlichen Ansagen. So heizte Trainer Bill Stewart bei der Spielerpräsentation Mitte August am Puro Beach am Dresdner Elbufer die Erwartungen mächtig an: „Besser als im Vorjahr, d.h. besser als Halbfinale. Wir wollen um den Titel spielen“. Die Fans stießen Jubelschreie aus. Und dann leuchtete nach acht Spieltagen die „rote Laterne“ in der EnergieVerbund Arena. Die Führung der Eislöwen-Organisation blieb ruhig, hatte Vertrauen in das Team und sah sich glücklicherweise nach einem energischen Zwischenspurt mit neun Siegen aus zwölf Spielen ab der zweiten Novemberhälfte bestätigt: Platz vier. Die guten Leistungen hielten an. Mit dem praktizierten Tempo-Eishockey war Mitte Januar Platz drei erreicht. Mehr ging nicht, zu weit hatte sich bereits das Duo Bietigheim/Frankfurt abgesetzt. Da sich Titelverteidiger Kassel noch stabilisierte, entspannte sich zum Ende der Hauptrunde hin ein dramatischer Dreikampf mit Weißwasser und Kaufbeuren um die Plätze vier bis sechs, den die Eislöwen knapp für sich entschieden. Das sich lange Zeit anbahnende Playoff-Viertelfinale gegen die Lausitzer Füchse kam nicht zustande. Kaufbeuren schob sich noch überraschend zwischen die beiden sächsischen Teams. Als Bilanz stand für die Eislöwen die bisher beste Platzierung nach der Hauptrunde, die höchste Punktausbeute (89 Punkte) und die beste Tordifferenz (+41) in elf Jahren Zugehörigkeit in der DEL2 bzw. zweiten Bundesliga zu Buche. Erstmalig wurde in dieser Saison die Overtime im Format drei-gegen-drei gespielt und der Video-Beweis eingeführt. Der Ausbau des Angebotes SpradeTV ermöglichte nunmehr Übertragungen aus allen Stadien.
Besondere Spiele für die Eislöwen waren die beiden deutlichen Siege beim Titelverteidiger Kassel (5:1 & 8:2) und der Gewinn aller vier Spiele gegen Ravensburg und Rosenheim. Beim Sachsenderby gegen Crimmitschau wenige Tage nach dem Jahreswechsel weilte der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich in der Arena.
Der Griff nach dem großen Stern, sprich Meistertitel, geriet jedoch außer Reichweite. Wie im Vorjahr verletzten sich in der entscheidenden Saisonphase wichtige Leistungsträger. Den Tribut hierfür musste das Team bereits in der Viertelfinalserie gegen Kaufbeuren zollen. Nach einer dramatischen Aufholjagd und dem 3:3-Seriensausgleich in Kaufbeuren ging ausgerechnet das entscheidende Spiel sieben zu Hause mit 2:3 verloren. Dennoch quittierten die Fans dem Team eine gute Saison und feierten ausgelassen auf der Abschlussparty. Der überragende Mirko Sacher wurde als bester Verteidiger der DEL2 ausgezeichnet.
Und noch etwas Bemerkenswertes: Die U16-Schüler-Mannschaft erreichte die Meisterrunde mit den zehn besten Mannschaften in Deutschland. Auch die U19-DNL-Mannschaft spielte in der höchsten deutschen Spielklasse ordentlich mit.

Das Dresdner Eishockey hat auf seinem über hundertjährigen Weg nie die ganz großen Höhen erreicht und musste durch einige tiefe Täler. Aber es hat auf vielen Seiten des Geschichtsbuches mitgeschrieben und bleibende Eindrücke hinterlassen. Mit dem Eislöwen-Team und dem eigenen Nachwuchs ist es gelungen, einen festen und guten Platz auf der gesamtdeutschen Eishockey-Landkarte einzunehmen.

Karl-Heinz Domschke
Kapitän ALTLÖWEN-Traditionsmannschaft

Stand: 08/2017