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“Wir wollen den Leistungssport!”

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Thomas Barth: “Wir wollen den Leistungssport, von daher gibt es nur eine Ausrichtung.”

Nicht nur die Profis bereiten sich intensiv auf die neue Spielzeit vor: Auch der Nachwuchs legt die Weichen für die kommenden Monate. Am Mittwoch gaben Dr. Peter Micksch, Präsident des Eissportclubs Dresden e.V. (ESCD), Thomas Barth als ESCD-Geschäftsführer und DNL-Coach Jochen Molling einen Ausblick auf die neue Spielzeit und sprachen zugleich darüber, welche Herausforderungen der Verein stemmen muss.

Dr. Peter Micksch: Sie sind seit 2010 Präsident des ESCD: Wie bewerten Sie die Entwicklung der letzten Jahre?
Micksch: Seit dem Jahr 2010 führe ich diese Funktion ehrenamtlich aus. Wir haben eine bewegte und spannende Zeit erlebt – mit Höhen und Tiefen. Unvergessen sind sicher die Austragungen der U18- und der Inlinehockey-Weltmeisterschaft, welche aufgrund des Hochwassers unter schwierigsten Rahmenbedingungen stattgefunden hat. Unser Nachwuchs hat in den letzten Jahren mindestens Anschluss an den Hochleistungsbereich gefunden und eine gute Entwicklung genommen, so dass wir derzeit auf eine breite Sportlerbasis verweisen können. Auch der Profibereich hat sich gut entwickelt und ist zu einer stabilen Größe in der DEL2 geworden.

Die Verfügbarkeit von Eiszeiten wird immer wieder zum Thema: Vor welcher Herausforderung steht der Verein?
Micksch: Der Standort Dresden bietet grundsätzlich hervorragende Bedingungen, die ihresgleichen suchen. Seit der Eröffnung der neuen Arena hat der Eissport insgesamt jedoch eine rasante Entwicklung genommen, was dazu führt, dass die zur Verfügung stehenden Eis- und Trainingszeiten nicht mehr ausreichen. Das Problem ist nicht erst seit gestern bekannt und wurde erst kürzlich in einer Runde mit der Landeshauptstadt Dresden und den verschiedenen Vereinen erneut thematisiert. Es besteht die Zusage, entsprechende Schwachstellen zu filtrieren. Eine weitere Eisfläche steht kurzfristig nicht zur Diskussion. Wir als Verein werden uns auch künftig weiter in das Thema einbringen.

Thomas Barth, Dresden kann als einziger DEL2-Klub auf eine Fünf-Sterne-Auszeichnung verweisen. Welche Herausforderungen an den Standort sind damit verbunden?
Barth: Vor drei Jahren hat sich der DEB Gedanken gemacht, wie er den Eishockeysport in Deutschland in die Erfolgsspur zurückbringen kann. Dazu müssen Kriterien in fünf verschiedenen Bereichen erfüllt werden. Den Basisstern gibt es dabei im Bereich der Nachwuchsgewinnung. In der U12 bzw. U14 muss eine vielseitige Ausbildung durch Trainer geboten werden. Für den Leistungsbereich U16 und U19 werden zwei Sterne vergeben, u.a. für die Umsetzung qualifizierter Trainingsinhalte- und umfänge sowie für die Eiszeiten. Hinzu kommt ein Stern für das Umfeld, also das Vorhandensein einer Sportschule, die Verfügbarkeit von einem Fahrdienst oder von Internatsplätzen. Weiterhin müssen ein qualifizierter Torwart- sowie Athletiktrainer die Einheiten unterstützen, Leihschlittschuhe bereitgestellt und vom Verein Aktionen wie ein Kids- und ein Girls Day angeboten werden. Neu hinzugekommen ist der Fakt, dass die Trainer jetzt über 12 Monate beschäftigt werden müssen.

Worin bestehen konkret die Probleme bei der Eiszeitenthematik?
Barth: Die Laufschule trainiert beispielsweise von 14 bis 14.45 Uhr, also zu einer Zeit, wo die meisten Eltern ihrem Beruf nachgehen. Aus diesem Grund haben wir schon verschiedene Kooperationen, etwa mit der 10. Grundschule ins Leben gerufen. Die mehr als 50 Kinder holen wir mittlerweile mit dem Reisebus in der Arena, allerdings müssen die Kinder dann auch bis 17 Uhr entsprechend in der Halle betreut werden. Im Bereich U12/14 sind die Probleme ähnlich. Oft trainieren die beiden Altersklassen in den Abendstunden gemeinsam. Schwierig ist es besonders bei der U16 und der U19, die von 20.45 bis 21.45 Uhr auf dem Eis ist. Das Krafttraining findet allerdings schon 16.30 bis 18 Uhr statt, so dass eine recht lange Zeit überbrückt werden muss.

In welchen Bereichen könnten Sie noch Unterstützung gebrauchen?
Barth: Wir arbeiten derzeit mit sechs festangestellten Trainern, benötigen aber noch dringend einen weiteren Kollegen für den Bereich U12 und U14. Dort arbeitet mit Andreas Heinrich derzeit ein Trainer mit drei Teams aus dem Altersbereich. Langfristig kann das nicht unsere Ausrichtung sein. Auch im Bereich der Rekrutierung benötigen wir noch Unterstützung.

Was passiert, wenn diese Themen nicht geregelt werden können? Ist der Verlust eines Sternes ein Thema?
Barth: Wir wollen den Leistungssport, von daher gibt es nur eine Ausrichtung. Es ist auf keinen Fall unser Ansatz, das Rad zurückzudrehen. Um langfristig Spieler für das deutsche Eishockey auszubilden, sind gute Trainer, der Zugang zu möglichst vielen Eiszeiten und auch zu anderen Trainingsstätten etwa für die Athletik notwendig. Gerade bei der Eiszeitenproblematik sehen wir in erster Linie die Verbände in der Pflicht, die Prioritäten setzen und die Situation in ganz Sachsen betrachten müssen.

Mit dem heutigen Tag geht der Eislöwen Juniors-Förderclub an den Start: Welche Idee steckt dahinter?
Barth: Um alles am Leben zu halten, benötigen wir jede Saison rund 400.000 Euro – und da muss man dazu sagen, dass große Teile der Ausrüstungen etc. durch die Eltern finanziert werden. Der Eigenanteil ist hoch und diesem sind auch Grenzen gesetzt. Ein Doppelwochenende etwa in Iserlohn kostet uns als Verein aber dennoch rund 2500 Euro. Unsere Idee war es, unter dem Motto ‚Jeder Beitrag hilft!‘ einen Spendenbereich für die Basis zu schaffen, Anreize durch entsprechende Gegenleistungen und verschiedene Stufen anzubieten. Im gleichen Zug haben wir unsere anderen Aktionen in diesem Projekt zusammengeführt und agieren jetzt einheitlicher nach Außen.

Jochen Molling, Wie fällt Ihr bisheriges Fazit der Nachwuchs-Vorbereitung aus?
Molling: Der Fakt, dass wir das Training über zwölf Monate anbieten, zeigt sich natürlich auch in der Ausrichtung der Einheiten. So haben wir bereits Ende April mit dem Sommertraining begonnen, dann mit dem Start der Ferien eine Pause eingelegt. Ab dem 17. Juli standen wir jedoch schon wieder auf dem Eis und hatten in unserem Camp auch Spieler unseres Kooperationspartners Erfurt dabei. Der Start war gut, alle sind motiviert bei der Sache.

Welche Veränderungen stehen vor dem Start der neuen DNL-Saison an?
Molling: Der DEB hatte die Strukturen angepasst. Die neue Saison ist demnach als Art Qualifikationsrunde zu sehen, da es ab der übernächsten Spielzeit wieder zwei Divisionen in der DNL geben wird. Um in die Division I zu gelangen, muss man als Team unter den Top 8 rangieren. Unser wichtigster Anspruch ist es bei allen Vorgaben jedoch, die Spieler auf das Männereishockey vorzubereiten.

Sie sind auch Co-Trainer der 1. Mannschaft: Wie wichtig ist es, eine Schnittstelle zu den Profis zu schaffen?
Molling: Dieser Aspekt spielt in der Nachwuchsarbeit immer eine große Rolle. Die Jungs müssen sehen, dass sie eine Chance bekommen. Dadurch wird automatisch auch der Wille größer. Die ersten Jungs klopfen langsam bei den Profis an und schlagen sich wacker. Torhüter Richard Seifert, die Verteidiger Arne Uplegger und Tim Heyter sowie Georg Saakyan trainieren regelmäßig mit. Gerade in meiner Funktion als DNL-Coach und Co-Trainer bei den Männern ist es wichtig zu sehen, wo die Jungs stehen und wo es gilt den Hebel noch anzusetzen.